Die Schaffermahlzeit

Ein freundschaftliches Mittagessen mit Tradition

Die Schaffermahlzeit ist das älteste fortlaufend begangene Freundschaftsmahl der Welt. Seit 1545 bringt sie Kapitäne und Kaufleute zusammen – als Ausdruck gegenseitigen Respekts, gemeinsamer Verantwortung und der tiefen Verbindung zwischen Seefahrt und Handel.

Ausgerichtet wird sie jährlich von der Stiftung HAUS SEEFAHRT, deren karitative Arbeit durch die Einnahmen und Spenden aus der Schaffermahlzeit maßgeblich unterstützt wird. Die Veranstaltung ist nicht nur ein gesellschaftliches Ereignis von nationaler Strahlkraft, sondern auch ein lebendiges Zeichen Bremer Identität und Stiftungsengagement.

Ursprung und Entwicklung

Ihren Ursprung hat die Schaffermahlzeit im 16. Jahrhundert – als Abschiedsessen der Schiffer, bevor sie im Frühjahr ausliefen. Was einst als kameradschaftlicher Brauch unter Seeleuten begann, entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte zu einer festen Institution des bremischen Wirtschafts- und Gesellschaftslebens.

Seit 1952 findet die Schaffermahlzeit regelmäßig am zweiten Freitag im Februar in der Oberen Rathaushalle des Bremer Rathauses statt. Während Kaufleute und Kapitäne früher auch über die Geschäfte der Stiftung berieten, steht heute das gemeinschaftliche Erlebnis, die Förderung sozialer Projekte und die Stärkung der Seefahrtsgemeinschaft im Mittelpunkt.

Ablauf und Rituale

Der Ablauf der Schaffermahlzeit folgt seit Generationen einem festlichen und würdevollen Protokoll.

Vor Beginn der Schaffermahlzeit lädt die Industrie- und Handelskammer die kaufmännischen und seemännischen Mitglieder mit ihren Gästen zu einem Empfang im Schütting, dem Haus der Bremer Kaufmannschaft. In einem feierlichen Zug ziehen sie dann über den Marktplatz in das Bremer Rathaus ein.

Dort, in der imposanten Oberen Rathaushalle, erwartet die Gäste ein traditionelles mehrgängiges Menü, das sich seit Jahrzehnten kaum verändert hat – mit Gerichten wie Hühnersuppe, Stockfisch, Braunkohl und Kalbsbraten. Dazu wird das sogenannte Seefahrtsbier aus Silberhumpen gereicht.

Zwölf ausgewählte Reden, die von persönlichen Reflexionen bis hin zu politischen Impulsen reichen, prägen den inhaltlichen Teil der Veranstaltung. Dabei trifft hanseatische Kaufmannskultur auf maritime Lebenswelt – mit Humor, Ernsthaftigkeit und Haltung. Den Abschluss bildet das gemeinsame Pfeifenrauchen mit weißen Tonpfeifen – ein Ritual, das bis heute mit einem Augenzwinkern gepflegt wird und den Abend in würdevoller Geselligkeit ausklingen lässt.

Die Schaffer und ihre Gäste

Jedes Jahr richten drei neugewählte kaufmännische Mitglieder der Stiftung HAUS SEEFAHRT die Schaffermahlzeit aus. Diese sogenannten Schaffer laden rund 100 Gäste aus aller Welt ein – Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und öffentlichem Leben. Wer eingeladen wird, darf nur ein einziges Mal im Leben teilnehmen – was die Einladung zu einer besonderen Auszeichnung macht.

Die Schaffer tragen nicht nur organisatorische Verantwortung, sondern finanzieren die Veranstaltung und setzen damit ein Zeichen für gesellschaftliches Engagement und Gemeinsinn.

Bedeutung für die Stiftung

Die Schaffermahlzeit ist eng mit dem karitativen Auftrag des HAUS SEEFAHRT verknüpft. Die während des Mahls gesammelten Spenden bilden einen wichtigen Beitrag zur sozialen Arbeit der Stiftung. Mit den Mitteln wird kostengünstiges Wohnen, Unterstützung von Bedürftigen und die Förderung von Studierenden ermöglicht.

Die Schaffermahlzeit steht damit nicht nur für hanseatische Repräsentation, sondern auch für ganz konkrete Hilfe und gesellschaftliche Verantwortung.

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